Nachlassabwicklung auf den Kanaren (Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote)

Stirbt ein Deutscher mit Vermögen auf den Kanaren, z.B. eine Immobilie (Haus, Finca, Wohnung) und Anlagevermögen (z.B. Konto, Wertpapiere, Aktien), so ist müssen die Erben Vieles beachten. Der Beitrag erläutert die Nachlassabwicklung auf den Kanaren (Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote) und gibt praktische Hinweise.


Nachweis des Erbrechts

Wie der Nachweis des Erbrechts erfolgt hängt zum einen davon ab, wo der letzten gewöhnliche Aufenthalt des Erblassers war und zum zweiten, welcher Art der Nachlass ist.

Nachweis bei Grundvermögen in Spanien

Im Verfahren zur Eintragung des Rechtsnachfolgers von Todes wegen im Eigentumsregister (Registro de la Propiedad) ist das Erbrecht durch einen erbrechtlichen Titel nachzuweisen; ein solcher Titel ist nach Art. 14 Abs. 1 LH

  • ein Erbvertrag (contrato sucesorio),
  • ein (vor einem spanischen oder deutschen Notar) errichtetes Testament (testamento),
  • eine (spanische) Erbenbescheinigung (acta de notoriedad para la declaración de herederos abintestato), oder
  • ein Europäisches Nachlasszeugnis. 

Daneben wird aber auch bei letztem gewöhnlichem Aufenhalt des Erblassers in Deutschland ein Erbschein oder ein deutsches Erbenfeststellungsurteil anerkannt.

Zuständigkeit für die Erteilung des Titels

Bei einem Erbfall ab dem 17. August 2015 kommt die Europäische Erbrechtsverordnung (EuErbVO) zur Anwendung. Danach sind die Gerichte des letzten gewöhnlichen Aufenthalts des Erblassers zuständig. Hatte der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, sind daher deutsche Gerichte international zuständig.

Notarielle Erbschaftsannahme, Zuweisung des Eigentums und Erteilung

Um ins Grundbuch (registro de la propriedad) eingetragen zu werden, ist es erforderlich, dass in einer öffentlichen Urkunde (escritura pública) oder in einem Urteil die Gegenstände, welche jedem Erwerber zugewiesen sind, genau beschrieben werden. In der Regel wird daher vor einem spanischen Notar oder Konsul eine Urkunde zu erstellen sein (escritura de aceptación ypartición de herencia o adjudicación por título sucesorio). Dieses Dokument wird zumeist als "notarielle Erbschaftsannahme" bezeichnet (obwohl es sich tatsächlich um mehr handelt).

Vorbereitet wird die Erbschaftsannahme in der Regel durch einen Anwalt, da spanische Notare nur im beschränkten Umfang bei Erbschaftsannahmen beraten und das deutsche Erbrecht in der Regel nicht kennen. Seine Aufgaben umfassen die Klärung von Vorfragen (z.B. wer erbt? Was ist im Nachlass?) und Steuerfragen (Berechnung der Gesamtsteuerbelastung unter Berücksichtigung der Anrechnung auf die deutsche Erbschaftsteuer, Ausschlagung zur Steueroptimierung, Verjährungsfragen). Von zentraler Bedeutung ist oft auch die Ermittlung des in der optimalen Wertangaben  in der spanischen Erbschaftsteuererklärung (siehe hierzu Bewertung von Spanien-Immobilien für Zwecke der spanischen Erbschaftsteuer). Ferner ist der Anwalt oftmals bei der Beschaffung, Ordnung und Ergänzung der benötigten Unterlagen behilflich; hierzu gehören 

  • mehrsprachige ("internationale") Sterbeurkunde,
  • Ein Titel im Sinne von Art. 14 LH (siehe oben),
  • Bescheinigung des zentralen spanischen Testamentsregisters,
  • Bescheinigung des zentralen Registers für Lebensversicherungen,
  • Bescheinigung der Bank über bestehende Guthaben,
  • Notarieller Kaufvertrag bei Immobilienvermögen (escritura de compraventa),
  • Aktueller Grundbuchauszug und
  • Steuernummer (NIF bzw. N.I.E.).

Natürlich können je nach Fallgestaltung auch weitere Unterlagen erforderlich sein. 

Dokumente, welche nicht in spanischer Sprache sind, müssen nebst Übersetzung eines vereidigten Übersetzers vorgelegt werden. Ausländische Urkunden, welche nicht nach der EuErbVO oder internationalem Recht anzuerkennen sind (siehe hierzu Beitrag Anerkennung ausländische Urkunden im deutsch-spanischen Erbfall), bedürfen unter Umständen der Überbeglaubigung, z.B. Apostille oder Legalisation.

Vorbereitet wird die Erbschaftsannahme in der Regel durch einen Anwalt, da spanische Notare nur beschränkte Aufgaben haben und außerdem die Folgen im Hinblick auf das deutsche Erbrecht und Erbschaftssteuerrecht nicht beurteilen können. Der Rechtsanwalt beschafft insbesondere fehlende Unterlagen. Wichtiger ist aber die Prüfung von Möglichkeiten der Steuerreduzierung. Dabei ist wichtig, dass der Anwalt sowohl das spanische als auch das deutsche Steuerrecht kennt.

Auflösung der des ehelichen Gemeinschaftsvermögens und Erbteilung

Oftmals ist es sinnvoll die Auflösung des ehelichen Gemeinschaftsvermögens (bei Gütergemeinschaft oder Errungenschaftsgemeinschaft) und die Auflösung der Erbengemeinschaft mit der Erbschaftsannahme in Spanien zu verbinden. Dies kann auch steuerliche Vorteile haben. 

Hinweis: Sofern dies vorab in Deutschland erfolgen soll, empfehlen wir sich vorzeitig mit einem  Experten für deutsch-spanisches Erbrecht in Verbindung zu setzen, damit es nicht zu Fehlern bei der Abstimmung kommt.

Erklärung der spanische Erbschaftsteuer und gemeindlichen Wertzuwachssteuer

Vor der Eintragung der Erben in das Grundbuch sollte die spanischen Erbschaftsteuer erklärt und gezahlt werden. Informationen hierzu finden Sie in unseren  Beitrag Spanische Erbschaftssteuer-Einführung und unseren Beitrag Erbschaftssteuer Kanaren (Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma)

Umschreibung auf die Erben

Nach Beurkundung der Urkunde über die Annahme der Erbschaft und Zuweisung des Eigentums (escritura de aceptación y partición de herencia o adjudicación por título sucesorio) kann Umschreibungsantrag gestellt werden. Sofern der Grundbuchführer die beantragte Eintragung verweigert, kann hiergegen Einspruch eingelegt werden. 


Ana Garcia Dorta
Axel Wiens
José Martínez Salinas
Letzte Aktualisierung: 04.03.2014


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