Testament in Spanien - deutsches oder spanisches Testament?

Testament in Spanien - deutsches oder spanisches Testament?

Als Fachanwälte für Erbrecht und Spezialisten für deutsch-spanische Erbfälle werden wir immer wieder gefragt, ob für den Grundbesitz in Spanien ein gesondertes Testament errichtet werden sollte. Der Beitrag zeigt auf, was bei der Errichtung von Testamenten bei Bezügen zu Spanien zu beachten ist und gibt praktische Ratschläge.

Grundlagen

Bevor auf die Besonderheiten von Testamenten für Deutsche mit Vermögen in Spanien eingegangen wird, sollen zunächst einige grundlegende Fragen behandelt werden. 

Anwendbares Erbrecht

Bei einem Todesfall nach dem 17. August 2015 ist nach der Europäischen Erbrechtsverordnung (EurbVO) das Erbrecht des letzten gewöhnlichen Aufenthalts einer Person anzuwenden. Allerdings kann im Testament das Recht der Staatsangehörigkeit des Testators gewählt werden. Die Rechtswahl nach Art. 22 EuErbVO kann aber nur für das weltweite Vermögen erfolgen. 

Form des Testaments nach deutschem Erbrecht

Nach deutschem Erbrecht kann ein Testament als notarielles Testament oder als eigenhändiges Testament errichtet werden.

Nach dem Haager Testamentsformübereinkommen der Form des ausländischen Rechts errichtete Testamente werden allerdings in Deutschland (im Hinblick auf die Form) in der Regel anerkannt. Dies gilt z.B. dann, wenn die Form des Errichtungsortes gewahrt wurde. 

Beispiel: E errichtet vor einem spanischen Notar in Marbella ein notarielles Testament. Wenn der Notar die Vorschriften des spanischen Rechts zur Beurkundung eines Testaments einhält, ist das Testament auch in Deutschland als der Form nach wirksam anzuerkennen. 

Notarielles Testament in Spanien

Wirksamkeit der Form nach

Ein vor einem spanischen Notar (notario) errichtetes Testament genügt nicht zwingend der Form des deutschen Rechts, da sich die Anforderungen an die Errichtung etwas unterscheiden. Allerdings ist ein spanisches notarielles Testament (testamento notarial).

Zweckmäßigkeit eines spanischen Testaments

Ob es allerdings zweckmäßig ist, ein Testament vor einem spanischen Notar zu errichten, ist eine andere Frage. Leider beobachten wir in unserer Praxis, dass spanische Notare, die keine ausreichende Kenntnis vom deutschen Erbrecht haben, oftmals Fehler machen. So wird z.B. 

  • die Bindungswirkung von Testamenten und Erbverträgen übersehen,
  • dem überlebenden Ehegatten ein Nießbrauch am gesamten Nachlass zugewandt (zwingt den Erben oft zur Ausschlagung!),
  • Anstelle des gewünschten gemeinschaftlichen Testaments auf zwei gesonderten Dokumenten verfügt (womit unklar ist, ob Bindung gewollt war) und
  • das Testament territorial auf Spanien beschränkt wird (und eine Verfügung für den Restnachlass unterbleibt). 

Praxishinweis: Wir raten daher von einer Errichtung eines Testaments vor einem spanischen Notar ohne vorherige Beratung durch einen deutschen Fachanwalt für Erbrecht ab.

Aber auch mit anwaltlicher Beratung kann die Errichtung eines Testaments vor einem spanischen Notar unzweckmäßig sein: So lehnen es z.B. spanische Notare ab, ein Testament für einen Deutschen für sein weltweites Vermögen zu errichten und beschränken den Regelungsbereich auf das Vermögen in Spanien. Dies ist zwar zulässig und ein solches „Spanien-Testament“ kann auch durchaus sinnvoll sein, allerdings sollte ein solches Testament sorgfältig mit den Regelungen für das restliche Vermögen abgestimmt werden, was nach unserer Erfahrung oft - mit schwerwiegenden Folgen - unterbleibt.

Beispiel 1: Erblasser E errichtet ein gesondertes Testament für Spanien. Für sein Vermögen in der Schweiz errichtet er kein Testament, sondern erteilt seiner Ehefrau nur eine Vollmacht und meint, "hol dir das Geld damit". Die Kinder meinen, im Hinblick auf die Schweiz sei gesetzliche Erbfolge eingetreten und ihnen stehe somit ein Teil des Geldes zu. 

Beispiel 2: Erblasser E errichtet ein gesondertes Testament für Spanien und setzt darin seine Ehefrau für das Spanien-Vermögen zur "Alleinerbin" ein. Kurz vor seinem Tod errichtet er ein Testament für sein deutsches Vermögen und setzt darin seine Tochter zur "Alleinerbin" ein. Seine Tochter meint, somit sei  das Spanien Testament widerrufen und sie auch insoweit alleine berechtigt. 

Spanische Notare lehnen außerdem regelmäßig die Beurkundung eines gemeinschaftlichen Testaments (testamento mancomunado) ab. Wollten die Testierenden, dass das Testament Bindungswirkung hat, kann dies zur Folge haben, dass der Wille nicht umgesetzt werden kann.

Praxishinweis: Oftmals wird für ein gesondertes Spanien-Testament angeführt, dass dieses die Umschreibung des Grundbuchs in Spanien vereinfacht. Nach unserer Erfahrung gibt es aber nicht wenige Registerführer, welche bei einem deutschen Staatsangehörigen zum Nachweis des Erbrechts immer einen Erbschein verlangen.  

Errichtung eines Testaments in Deutschland vor einem deutschen Notar

In der Regel empfiehlt sich für einen Deutschen die Errichtung eines Testaments vor einem deutschen Notar (notarielles Testament). Dieses sollte (zumindest) alle Vermögensgegenstände in Ländern, welche die EuErbVO anwenden, abdecken. Oftmals wird es sich für Deutsche mit Vermögen in Spanien auch empfehlen, in dem Testament vorsorglich deutsches Erbrecht zu wählen. 

Hinweis: Da deutsche Notare in steuerlichen Fragen und Fragen des ausländischen Nachlassverfahrensrechts nicht beraten, empfiehlt es sich allerdings zusätzlich anwaltliche Beratung  einzuholen. 

Gesonderte General- und Vorsorgevollmacht für Spanien

Neben der Errichtung eines notariellen Testaments empfiehlt es sich regelmäßig auch für den Fall der Geschäftsunfähigkeit vorzusorgen und einem Vertrauen eine General-und Vorsorgevollmacht zu erteilen.

Vorsicht: Eine Generalvollmacht für Spanien oder eine Vorsorgevollmacht für Spanien sollte allerdings auch das spanische Recht berücksichtigen. Die üblichen deutschen Generalvollmachten sind in Spanien unbrauchbar. 

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